Sammel- und Verwertungslösung für hochwertige Verpackungen von Medizinprodukten (MedPackRecovery)

Bisherige Aktivitäten zur Verbesserung der Nachhaltigkeit in Kliniken fokussierten auf die anteilig „großen“ Segmente Energie- und Wassermanagement. Das stoffliche Recycling der speziellen Abfallfraktionen, die im medizinischen Kontext anfallen, spielt - insbesondere aus hygienischen Gründen - keine bzw. nur eine untergeordnete Rolle. So werden die in großen Mengen eingesetzten Einmalartikel sowie deren Verpackungen in der Regel nur thermisch verwertet.
Infolge des anhaltenden Trends zum vermehrten Einsatz von Single-use Produkten und Instrumenten im Medizinbereich steigen auch die Anforderungen an die Verpackungen. Neben der Sicherstellung einer sterilen Aufbewahrung spielt auch der mechanische Schutz insbesondere der hochwertigen Produkte wie z.B. Videoendoskope oder chirurgische Instrumente für minimalinvasive Operationen eine entscheidende Rolle bei der Verpackungsentwicklung und -Gestaltung. Somit liegt das Gewicht einer Verpackung nicht nur bei Verbrauchsmaterialien wie beispielsweise Kanülen, sondern auch bei hochwertigen Artikeln zumeist in der Größenordnung des zu schützenden Produkts.
Verpackungen kommen nach deren Entfernung im Vergleich zu den zu schützenden Instrumenten und Verbrauchsmaterialien nicht in Kontakt mit den Patientinnen und Patienten und sind somit i.d.R. nicht kontaminiert. Aus deren schneller und gezielter Separation und Sammlung am Anfallort in geeigneten Behältern sind hochwertige Materialfraktionen ohne besondere Maßnahmen zu Hygiene und Arbeitsschutz in der klinikinternen und -externen Logistik generierbar und können einer stofflichen Aufbereitung mit dem Ziel der Herstellung hochwertigen Rezyklatmaterials zugeführt werden.
Somit stellt die Entwicklung und Umsetzung von Lösungen zur Sammlung und Verwertung hochwertiger Verpackungsmaterialien einen ersten und konkreten Schritt zur Kreislaufwirtschaft in Gesundheitsbetrieben dar, welcher in einem sehr absehbaren Zeithorizont hohe wirtschaftliche Erfolgschancen bietet.
Ein weiteres Potential liegt in der kreislaufgerechten Gestaltung von Verpackungen. Mögliche Prinzipien liegen hier in der Reduzierung der Materialvielfalt sowie einfacher Trennbarkeit der Bestandteile sowohl während oder kurz nach dem Entfernen der Verpackung als auch im Aufbereitungsprozess. Im Rahmen des Verbundprojekts sind als ein erster Schritt aus den Erfahrungen im Projekt grundsätzliche Hinweise und Gestaltungsprinzipien für eine entsprechende Gestaltungsoptimierung abzuleiten.
Ziel & Vorgehensweise
Ziel des Verbundprojektes ist es, für in Kliniken anfallende Verpackungsmaterialien eine materialspezifische Rücknahme- und Recyclingstrategie zu entwickeln, zu erproben und eine Umsetzung zu initiieren. Nach der Projektlaufzeit von einem Jahr sollen sowohl für spezifische hochwertige Materialien als auch für Standard-Verpackungsmaterialien Prozesse so konkretisiert sein, dass für erste Regionen die erforderliche Logistik und Kapazität zur stofflichen Verwertung realisiert werden kann.
Das Fraunhofer IWKS sowie das IRED - Institut für Recycling, Ökologie & Design werden hier mit ihrer Expertise in Kreislaufwirtschaft und Rückführkonzepte die Anforderungen der Wertschöpfungskette aus Herstellern von Medizinprodukten und Verpackungen, Kliniken und Dienstleistern der Entsorgungslogistik und des Kunststoffrecyclings zusammenführen und eine abgestimmte Strategie definieren. Am Ende der Projektlaufzeit soll eine abgestimmte Lösung mit Potential zur Umsetzung in Deutschland vorliegen.
Arbeitspakete
Quantifizierung des Verpackungsinputs
- Identifikation von verpackungsrelevanten Artikeln in ausgewählten Kliniken
- Quantifizierung des Mengengerüsts
- Auswahl von relevanten Klinikbereichen für eine getrennte Sammlung von Verpackungen
- Vorbereitung und Durchführung von ca. 2-wöchigen Sammlungen von Verpackungen im laufenden Betrieb an 3-4 Klinikstandorten
Materialbilanzierung
- Sichtung und Systematisierung der Verpackungsarten nach Kriterien wie Gestaltung, verwendeten Materialsorten, typischen Einsatzfeldern und Anfallorten
- Sortierung der gesammelten Mengen nach der vorgenommenen Systematisierung sowie Identifikation der relevantesten Mengenanteilen
- Bestimmung der verwendeten Materialien und Erstellung einer Materialbilanz
Recyclingpotentiale
- Beurteilung des grundsätzlichen Recyclingpotentials
- Recherche entsprechender Verwertungsbetriebe für Sekundärkunststoffe
- Durchführung von Interviews zur Ermittlung der spezifischen Annahmekriterien, erzielbarer Recycling- und Verwertungsquoten sowie Indikationen zu Materialerlösen
Skizzierung einer Gesamtlösung
- Klärung von klinikinternen Sammel- sowie klinikexternen Logistikoptionen
- Definition und organisatorische Beschreibung des Gesamtkonzepts
- Wirtschaftliche Bewertung
- Vorläufige Planung einer Umsetzung im Konsortium und Einbeziehung von möglichen Wirtschaftsbeteiligten